Mordskerle (German Edition) by Schley Renate

Mordskerle (German Edition) by Schley Renate

Author:Schley, Renate [Schley, Renate]
Language: deu
Format: epub
Publisher: Renate Schley
Published: 2013-05-20T22:00:00+00:00


13. Kapitel

Sylvia Herzig hatte Annelie gewarnt. „Sofie wird dir als Erstes erzählen, dass `die Anderen` - wer immer das sein soll! – sie mit Tabletten füttern, damit sie ruhig ist.“

Prompt flüsterte Sofie, kaum, dass die Tür hinter ihr und Annelie ins Schloss gefallen war:

„Ich m u s s t e dich einfach sehen, Annelie! Ich brauche Hilfe. Ich verstehe nicht, was hier vorgeht. `Sie` stopfen mich mit irgendwelchen Pillen voll, weil `sie` nicht wollen, dass ich die Nerven verliere.“

„Wer - sie?“, wollte Annelie sachlich wissen. Sie lehnte sich gegen ein Fensterbrett, das sich unter der Vielzahl blühender Begonien und Geranien beinahe bog.

Sofies kleine, weiße Hände bewegten sich flatternd wie die Flügel eines Vogels auf und ab. „Meine Tochter und ihr Mann. Ich soll den Mund halten. Ich soll nichts mehr erzählen von dieser alten Geschichte.“

Annelie hörte mit einem Mal sämtliche Alarmglocken in sich schrillen. Jetzt hätte sie gerne eine Zigarette geraucht, aber Sofie rauchte nicht, und es sah nicht so aus, als würde sie Besuchern die Erlaubnis dazu geben.

„Welche alte Geschichte, Sofie?“

Annelie bemühte sich, ihre Stimme so gelassen wie möglich klingen zu lassen.

Sofie sah sie sekundenlang irritiert an, dann schien sie bereits vergessen zu haben, wovon sie eben noch gesprochen hatte. „Nun sind wir beide alleine, Annelie“, murmelte sie stattdessen traurig und ließ sich in einen der großgeblümten, schweren Sessel fallen.

Alles reine Seide, stellte Annelie fest, aber leider auch ziemlich hässlich.

Sofies Blick irrte ins Leere. „Zwei Witwen“, sagte sie nach minutenlangem Schweigen. Die Hände im Schoß gefaltet, starrte sie vor sich hin. Wusste sie noch, dass sie einen Gast zu sich eingeladen hatte?

Annelie seufzte innerlich. Arme Sofie, dachte sie. Ohne Bernhard ist sie nichts. Er war der Fels in der Brandung ihres Lebens. Der starke, verlässliche Mann, den sie immer als Halt gebraucht hatte. Ein Mordskerl, dieser Bernhard Beer. Was wurde nun aus Sophie ohne ihn?

„Dein Gottlieb starb ja damals auch so unerwartet“, erinnerte Sofie sich nun endlich mit ihrer schwachen Mädchenstimme.

Annelies Lächeln war flüchtig. „Warum er glaubte, vor der Steuerprüfung ins Krankenhaus flüchten zu müssen, weiß ich bis heute nicht. Es war jedenfalls absolut überflüssig. Die Bücher der Firma waren makellos, ebenso die Finanzen.“

„Männer sind unberechenbar“, stellte Sofie, auf einmal lebhaft, fest. Sie blickte Annelie an. In diesem Moment erinnerte sie stark an die älter gewordene Audrey Hepburn, wenn die Hepburn höchstwahrscheinlich auch größer gewesen war.

Im Übrigen musste Annelie nicht antworten, denn Sofie begann selbst zu reden. Sie erhob sich aus ihrem Sessel, ging im Raum auf und ab, hin und her. Das tat sie ganz ruhig, die Hände auf dem Rücken verschränkt, mit den Augen immer wieder Annelies Blick suchend.

„Ich konnte Bernhards Vorliebe für Vulkane nie verstehen“, sagte sie nach einer Weile. Ihre Stimme zitterte leicht bei diesen Worten. Sie verlor jedoch nicht die Fassung. „Ich begriff es einfach nicht und kann es bis heute nicht begreifen. Was hat ihm das gegeben? Was hatte er davon? Er war immer ganz verändert, wenn er davon erzählte.“

Sie schwieg sekundenlang, ehe sie fortfuhr: „Weißt du, Annelie, ich hatte gar keine Lust, mit ihm diese lange Reise zu machen.



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